Aus den um 1800 liegen uns verschiedene Nachrichten über Junggesellen- und Jungtöchter-Schützen in Walsum vor, die ebenfalls Schützenfeste feierten. Wenig später wurde der Bürger-Schützenverein-Verein Aldenrade-Fahrn gegründet. Wenn auch aus dieser Zeit keine schriftlichen Unterlagen vorliegen, so kann man das Gründungsjahr 1837 doch als sicher gelten lassen. Sowohl die alte Fahne des Vereins als auch die Fahnenstange trugen die Jahreszahl 1837. Auch ein vom Bürgermeister der Gemeinde Hamborn gestifteter Pokal weist diese Jahreszahl auf. Und schließlich wurde im Protokollbuch der Gemeinde Hamborn im Jahre 1909, als der Schützenverein einen Antrag stellte, dieses Gründungsjahr 1837 als gesichert angesehen. Ab 1883 liegen genauere Unterlagen über die Entwicklung des Vereins vor. Eines der ältesten namentlich bekannten Mitglieder, der spätere Ehrenoberst Wilhelm Hartmann, hat der Nachwelt ein "schillerndes" Ereignis aus dem Jahre 1883 überliefert und niedergeschrieben, den "Fahnenstreit": "1885 wurde das Fest der Schützen wieder gefeiert, das so lange geruht hatte. Die Fahne hatte ihren Stand beim Wirt Biedemann in Fahrn. Der Wirt Biedemann benutzte alljährlich beim Erntedankfest oder der Kirmes die Fahne, um sie im Zelt aufzuhängen....
Im Jahre 1884 gab sich der Verein feste Statuten und seinen endgültigen Namen "Bürger-Schützen-Verein Aldenrade". Gemäß den Statuten wollte der Verein keiner politischen Partei dienen und keinem religiösen Bekenntnis irgendwelche Bevorzugungen gewähren. Aus allen Protokollen und mündlichen Überlieferungen ist zu entnehmen, daß der Verein tatsächlich nie von Streitigkeiten aus diesen Gründen bedroht worden ist. Fünf Jahre später, 1890, konnte der Verein endlich wieder eine neue Fahne sein eigen nennen. Auch wurden inzwischen Mitgliederlisten geführt, die gleichzeitig als Kassenbuch benutzt wurden. Aus ihnen geht hervor, da der Verein gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zwischen 1894 bis 1899, einen Mitgliederstand von 66 bis zu 87 Schützen hatte. Eine wesentliche Neuerung brachte das Jahr 1900. Erstmals wurden Schützenfest und Aldenrader Kirmes gleichzeitig gefeiert, als gemeinsames Schützen- und Volksfest. Heute scheint es undenkbar, daß Schützenfest und Kirmes jemals getrennt gefeiert wurden. König wurde in diesem Jahr Wilhelm Kolkmann, der sich lda Atrops als Königin erwählte. Sein Königsorden ziert als ältester Orden heute noch die Königskette
1905 brannte kurz vor dem schützenfest das Festzelt ab, das beim Vereinswirt Weusthoff (heute Waldmann-Sunkel) gestanden hatte. Doch die Schützen hatten schnell für ein Ersatzzelt gesorgt, so daß das Fest nicht gefährdet war. Nicht nur wegen des Brandes scheint es ein "feuriges" Fest gewesen zu sein, denn Stimmung und Beteiligung waren so gut, daß noch ein Überschuß von 370 Mark erwirtschaftet wurde. Statt eines Königschießens fand 1906 ein Preisschießen statt, für das sechs Preise gestiftet worden waren. Der Festzug führte vom Waldschlößchen nach Heckmann in Marxloh. Der starke Besucherandrang zur Kirmes sorgte für ein Novum: Die Straßenbahn mußte am Sonntag nachmittag auf der heutigen Friedrich- Ebert- Straße ihren Betrieb einstellen. Im nächsten Jahr, als wieder ein Königsschießen stattfand und der Verein sein 70jähriges Bestehen feiern konnte, waren die Verantwortlichen schlauer: Sie stellten von vornherein den Betrieb zwischen der Wirtschaft Schwan und Heckmann ein. Große Probleme gab es 1907 aber mit den Industriebetrieben, die sich gegen die Kirmes rechts und links der Hauptstraße ausgesprochen hatten, da die Arbeiter dann ob der großen "Versuchung" nicht pünktlich oder gar nicht zur Arbeit kommen würden.
Das Ende drohte der Kirmes im Jahre 1908. Der Hambomer Gemeinderat hatte beschlossen, die Hambomer Kirmes (von Heckmann bis zur Walsumer Grenze am Schwan) und die Aldenradener Kirmes (vom Schwan bis zum Waldschlößchen), die bis dato immer gleichzeitig gefeiert worden waren, beide zu verbieten. Doch glücklicherweise spielte der Walsumer Gemeinderat nicht mit. Er sprach sich gegen ein Kirmesverbot aus und bewirkte mit seinem Beschluß da auch der Hamborner Gemeinderat seine Entscheidung revidierte. So konnte weiter in Hamborn und in Aldenrade Kirmes gefeiert werden. Als 25. Stiftungs- und Neugründungsfest wurde das Schützenfest im Jahre 1909 gefeiert. Der Verein stellte anläßlich des Jubiläums je einen Antrag an die Gemeinderäte von Hamborn und Walsum um Stiftung einer Ehrengabe. Diesmal waren die Hamborner Ratsmitglieder den Schützen wohler gesonnen. Sie stifteten den heute noch vorhandenen, wertvollen Silber-Pokal, der durch den damaligen Bürgermeister Schrecker überreicht wurde. Das 25. Stiftungsfest war ein "feuriges" Fest. Diesmal brannten einige Schaustellerbuden ab. Dies tat der großartigen Stimmung beim Fest und der riesigen Beteiligung jedoch keinen Abbruch. Der Hamborner General- Anzeiger schrieb von einem "Menschenstrom", der sich zum Festplatz bewegte. Das Festzelt stand am Schwan, für die Bewirtung sorgte Festwirt Weusthoff. Der Festzug wurde durch die Straßen von Aldenrade, Marxloh und Walsum geführt, und das Königsschießen schließlich fand nahe der Fähranlegestelle statt. Schützen und Besucher mußten in diesem Jahr also gut zu Fuß sein. Am Fest konnten noch vier Mitglieder teilnehmen, die 1884 die Neugründung mit vorgenommen hatten: Joh. Schmitz, Kolkmann, Lockermann und Heckmann. Sie erhielten die silberne Jubiälumsmedaille. "Jubelkönig" wurde August Groß-Blotekamp, der sich Frau Burmann zur Königin nahm. Auch wurden die Mitglieder in die Pflicht genommen: "Jedes Vereinsmitglied ist für die von ihm eingeführten Gäste bei Festen verantwortlich". Viel wesentlicher ist der Beschluß, den der Walsumer Gemeinderat am 5. Dezember 1911 faßte. Danach sollte das Aldenradener Schützen- und Volksfest alljährlich am zweiten Sonntag und Montag im August abgehalten werden. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Sein 75-jähriges Jubiläum konnte der Verein 1912 feiern. Glanzvoller Hhepunkt des Festes war ein großes Feuerwerk, das vor dem Haus der Knigin entzndet wurde. Jubiläums- Königspaar wurden Johann Noldemann und Frau Sträter. Die nächsten beiden Jahre bedürfen, was den Verein betrifft, noch einer historischen Klärung. So steht in der Festzeitschrift von 1927 (zum 90-jährigen Bestehen), daß das Schützenfest des Jahres 1913 mit Theodor Verheyen als König und Frau Meyer als Königin das letzte Fest vor dem I. Weltkrieg gewesen sei. In der gleichen Festschrift wird jedoch Dietrich Langenhorst als König für 1914 aufgeführt (mit Frau Bitterberg als Königin). Und auch der Königsorden an der Königskette führt Dietrich Langenhorst als König von 1914 bis 1920 an. 1914 war noch beschlossen worden, den Festzug nicht mehr auf Hamborner Gebiet auszudehnen, ausnahmsweise nur dann, wenn der König in Hamborn wohnt. Auch die leidige Schießstandfrage konnte endlich geklärt werden. Nach einem Abkommen mit dem Kriegerverein Aldenrade überließ dieser dem Bürgerschützen-Verein seinen Schießstand an der Kurfürstenstraße einschließlich Benutzung der Gewehre für eine jährliche Miete von 100 Mark. Der Ausbruch des l. Weltkrieges legte dann jede Vereinsarbeit lahm. Sechs Schützenbrüder kehrten nicht von der Front zurück. Aber sehr schnell nach Kriegsende wurden die Aktivitäten wieder aufgenommen, und schon im August 1919 wurde wieder das erste Schützenfest gefeiert, ein Jahr später auch ein Königsschießen. August Weusthoff wurde zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Für die Kriegsbeschädigten unter den Mitgliedern griff der Verein in die Kasse: es gab eine einmalige Beihilfe von 200 Mark. In dieser Zeit gab es auch immer mehr Schützen, die sich am sportlichen Reiz des Schießens erfreuten. So wurden im Verein drei Schießklassen gebildet, in die die Schützen je nach Leistungsvermögen, sprich Anzahl der geschossenen Ringe, eingeteilt wurden.
Das Jahr 1925 brachte aber auch einen Einschnitt ins Vereinsleben. Ein großer Teil der in Hamborn lebenden Mitglieder splitterte sich ab und gründete in Hamborn- Marxloh ein Jahr später einen eigenen Verein, den Bürger- Schützen- Verein Hamborn- Marxloh. Diese Trennung erfolgte jedoch nicht im Zorn, was durch die Festschrift dieses neuen Vereins zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 1976 belegbar ist. Dort heißt es, da der Ausgangspunkt für die Gründung die im Schützen- Verein Aldenrade Fahrn miterlebte Kameradschaft und Geselligkeit in Verbindung mit den traditionellen Schiebungen gewesen sei.

In der Generalversammlung des Jahres 1929 wurde der Beschluß gefaßt, ein Grundstück für den Bau einer Schießanlage und eines Schützenheims zu kaufen. Noch im Dezember des gleichen Jahres erwarb der Verein von Herrn Lehmkuhl ein Grundstück an der Kurfürstenstraße, auf dem sich auch noch Teile des Schießstandes des damaligen Kriegervereins Walsum- Aldenrade befanden. Die Schützenbrüder Heinrich Schmitz, Artur Heuer und Bruno Lücke wurden mit dem Entwurf für den Bau der Anlagen beauftragt. Mit dem Kriegerverein wurde ein überaus günstiges Arrangement getroffen. Ihm wurde die kostenlose Benutzung des neu zu errichtenden Schießstandes für die Dauer von zehn Jahren, von 1930 an gerechnet, gestattet. Neben dem eigentlichen Vereinskonto wurde bei der Gemeindesparkasse ein Sonderkonto unter der Bezeichnung "Scheibenstand-Neu-Baukonto des Bürger- Schützen- Vereins Aldenrade- Fahrn" eingerichtet, dessen Verwaltung dem Schützenbruder Heinz Dickgreber, Rentmeister bei der Amtskasse Walsum, übertragen wurde. Schon am 15. Januar 1930 lag die behördliche Genehmigung fr den Bau der Anlage vor, und am 18. Januar erfolgte der erste Spatenstich. Um 15 Uhr waren bereits 60 Schützenbrüder mit Hacke und Spaten bei der Arbeit, und die Zahl der Helfer an diesem ersten Tag wuchs noch auf 80 an. Bei Einbruch der Dunkelheit waren 320 Kubikmeter Erdreich bewegt worden. Im geschlossenen Zug und mit geschultertem Arbeitszeug ging es zum Vereinslokal Waldmann, wo der Beginn des Baus kräftig gefeiert und begossen wurde. Es war noch viel zu tun, bis das Gelände eingeebnet und die Gebäude errichtet waren. Zwei beeindruckende Zahlen aus der Baustatistik: 65.000 Ziegelsteine und 40 Kubikmeter Beton wurden verarbeitet. Des öfteren waren Stimmen zu hören, da der Verein an seinem Neubau zugrunde gehen werde, weil die Kosten letztendlich zu hoch lägen. Doch Schützengeist und Kameradschaft aller Mitglieder ließen in Eigenleistung ein großes Werk entstehen, das am 6. Mai 1930 bereits mit der Einweihung der Anlage seinen Abschluß fand. Der Scheibenstand konnte mit seinen 100-Meter-Schiebahnen als mustergültig angesehen werden. Der langjährige Wunsch des Vereins, über eine eigene Schießanlage verfügen zu können, war endlich in Erfüllung gegangen. Aber auch die Festhalle mit Platz für 120 Personen, nebst Nebenräumen, konnte sich sehen lassen. Im gleichen Jahr erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister am Amtsgericht Dinslaken. Ebenfalls 1930 traf den Verein jedoch auch ein herber Verlust: Ehrenoberst Wilhelm Hartmann starb und wurde unter großer Anteilnahme der Vereinsmitglieder zu Grabe getragen. Ihm zu Ehren wurde auf dem Vorplatz des Schützeneigenheimes eine Eiche, die "Hartmanns-Eiche", gepflanzt. Innerhalb des Vereins gab es einige organisatorische Veränderungen. Theodor Lentjes war als Vorsitzender zurückgetreten. Sein Amt übernahm Schmiedemeister Wilhelm Baßfeld. Auch wurden die bislang bestehenden Kompanien aufgelöst. Die Schützen traten als Bataillon an und wurden in Züge eingeteilt. Ferner wurde in diesem Jahr Oberst Heinrich Schmitz für 25jhrige Vereinszugehörigkeit geehrt. Im Jahre 1931 feierte der Verein erstmals ein Kinderschützenfest; am 28. Juni wurde Hubert Hülsenbusch Kinderkönig und Ruth Flintrop seine Königin. Rund 300 Teilnehmer zählte der Festzug. Zwei Jahre später, 1933, feierte der Verein auf seiner Anlage ebenfalls erstmals ein Frühlingsfest, das seither immer wieder so gut ankam, da es heute noch zum festen Bestandteil des Jahresprogramms gehört. Und da Schützen früher wie heute gerne feiern, nahm man im gleichen Jahr den Erfolg des Frühlingsfestes zum Anlaß, auch ein Herbstfest bzw. Jahresabschlußfest zu veranstalten. Aus Krankheitsgründen legte Wilhelm Baßfeld 1934 den Vorsitz nieder, den Wilhelm Sudhoff übernahm. Am Schützenheim und an der Anlage erfolgten weitere Arbeiten. Der Scheibenstand wurde weiter verbessert, am Eigenheim bauten die Schützen einen Keller aus und eine Küche an. Die Behörden gestatteten es 1935 dem Verein, ein Waffenlager anzulegen, das 1936 um ein Munitionslager erweitert wurde. Dies war auch dringend "erforderlich", denn der Vogel beim Königsschießen 1936 war so hartnäckig, da allein 2.000 Patronen verbraucht wurden.
Das bis dato zeitlich längste Schützenfest feierte der Verein 1937; aus gutem Grund, schließlich bestand er in diesem Jahr bereits 100 Jahre. Das umfangreiche Festprogramm von Samstag, 14. August, bis Mittwoch, 18. August. Trotz des regnerischen Wetters war das Fest ein voller Erfolg. Vom Kaffeetrinken der Frauen am Dienstag schwärmte die Presse als "dem Fest der 1000 Frauen". Jubilumskönig wurde Willi Börsch. Als Königin stand ihm Bernhardine Velken zur Seite. Den "runden Geburtstag" nutzten mehrere Bürger, dem Verein beizutreten, dessen Mitgliederstand auf 180 anwuchs. Noch im Jubiläumsjahr übernahm Gerhard Gasseling von Wilhelm Sudhoff das Amt des Präsidenten. Der Bürger-Schützen-Verein Aldenrade-Fahrn 1837 erhielt 1939 die Genehmigung vom Deutschen Schützenbund, weiterhin seine Traditions-Uniform tragen zu dürfen. Im Karneval erreichten die Aktivitäten der Schützen einen neuen Höhepunkt. Zwar wurde Karneval schon seit 1923 regelmäßig mit Kostümbällen an den Karnevalssonntagen gefeiert, doch 1938 entschloß sich der Verein, mit einem Prunkwagen am Walsumer Rosenmontagszug teilzunehmen. Anspielend auf das vorangegangene 100-jährige Jubiläum erhielt der Wagen das Motto "Das Herz ist jung". Vom Karnevalsausschuß erhielt dieser Wagen sogar den fünften Preis. Ebenfalls ab 1938 liegen detaillierte Protokollbücher vor, die die Arbeit der Chronisten von heute erheblich erleichtern. Bis zu jenem Jahr ist der "Forscher" in der Geschichte des BSV Aldenrade-Fahrn 1837 auf die Festschriften von 1927 und 1937 sowie auf die vorliegenden Kassenbücher von 1894 an und die Zeitungsberichte angewiesen. Umfangreiche Reparatur- und Erweiterungsarbeiten waren 1938 an der Schießanlage notwendig geworden, nachdem durch Bergsenkungen starke Grundwasserschäden aufgetreten waren. Die Schießanlage wurde in diesem Jahr mit Beleuchtung und einer Signalanlage versehen. Damit wurde die Aldenradener Anlage zu einer der besten im Umkreis, da auf ihr auch abends geschossen werden konnte. Etwas heute kaum Denkbares trat 1939 ein, als der Kassierer auf der Jahreshauptversammlung verkündete, da die Kassenlage so gut sei, da man für 1940 an eine Beitragssenkung denken könne. Mit der silbernen und goldenen Schießauszeichnung wurden die Schützenbrüder Heuer, Schetter und Schmitz geehrt. Aber auch Ärger stand ins Haus. Der Kreisschützenführer versuchte mit allen Mitteln, das Tragen der Traditionsuniformen zu unterbinden. Es gelang ihm jedoch nicht: beim Schützenfest trugen die Mitglieder die alten Uniformen. Phillipp Scheuermann und Käthe Becker bildeten das Königspaar, das letzte vor dem II. Weltkrieg. Doch daran dachte damals noch keiner.
Zehn Jahre sollten vergehen, bis wieder ein Schützenfest gefeiert werden konnte. In den Kriegsjahren wurde zwar nicht gefeiert, aber Schützengeist und Kameradschaft lebten weiter. Mit den Schützenbrüdern im Feld wurde eifrig korrespondiert und manches Päckchen auf den Weg an die Front geschickt. Auch konnten die letzten Anteilscheine für den Bau des Schützeneigenheimes zurückgezahlt werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zeigte sich am und im Schützeneigenheim ein Bild weitgehender Zerstörung, wenn auch nicht direkt durch Kriegseinwirkungen. Durch den Bergbau war das gesamte Gelände an der Kurfürstenstraße um einige Meter abgesackt. Die Pumpen, die den Grundwasserstand regeln sollten, waren nicht mehr in Betrieb. Alle Häuser, also auch das Schützeneigenheim, standen bis zu 1,20 Meter unter Wasser. Mit dem Paddelboot konnte man durch die zerstörten Fenster ins Schützenheim hineinfahren. Die Wiederaufbauarbeiten gerieten zu Aufräumarbeiten. Die Schützen standen vor dem Neuanfang. Die Waffen waren abgeliefert worden, das Vereinsvermögen unter Zwangsverwaltung gestellt. Nachdem das Grundwasser abgezogen war, stellte der Verein das Schützenheim einem Schmiedemeister als Werkstatt zur Verfügung. In die Giebelwand wurde ein großes Werkstatt- Tor gebrochen. Die Schieß- und Parkanlagen waren völlig verwahrlost und verfielen zusehends. In einem ähnlichen desolaten Zustand befand sich auch das Vereinsleben selbst. Nach einer ersten Besprechung im Haus von Oberst Heinrich Schmitz an der Dittfeldstraße nahm Franz Bergmann Kontakt mit den Besatzungsbehörden auf, um in Erfahrung zu bringen, unter welchen Bedingungen der Verein wieder aktiv werden könne. Einen ersten Erfolg konnte Bergmann nach vielen Verhandlungen im Jahre 1948 melden. Unter der Bedingung, da ein Vorstand, der den Besatzungsbehörden und der Gemeindeverwaltung gegenüber den Verein verantwortlich vertreten sollte, der englischen Kommandantur gemeldet würde, stände einem Wiederaufleben des Vereinslebens nichts im Wege. Im Haus von Gerd Gasseling wurde im Oktober 1948 ein vorläufiger Vorstand zusammengestellt: l. Vorsitzender Franz Bergmann, 2. Vorsitzender Franz Wibbe, Beisitzer Bernhard Bergmann und Anton Soballa, Kassierer Josef Hüsken und Schriftführer Andreas Becker. Die erste Versammlung nach dem Krieg konnte am 12. Juni 1949 in der Gaststätte Waldmann abgehalten werden. Gerd Gasseling übernahm das Amt des Präsidenten, doch wurde Franz Bergmann als Vorsitzender bestätigt, da er aufgrund der guten Kontakte in Verhandlungen mit den Besatzungsbehörden und der Gemeindeverwaltung versuchen sollte, das Vereinsvermögen wieder "frei" zu bekommen. Noch im gleichen Jahr fand wieder ein Königsschießen statt. Das Festzelt stand auf dem alten Marktplatz an der Provinzialstraße (heute B 8), das Schießen fand im Driesenbusch statt. Ein Problem hatten die Schützen mit der Kleidung, da kaum noch Schützenjacken vorhanden waren. Aber einen Schützenhut und eine grüne Krawatte hatte sich dann doch fast jeder noch besorgen können. Der Besucherandrang war riesengroß. Das Festzelt mute beim Krönungsball wegen Überfüllung geschlossen werden, und auf der Kirmes herrschte "lebensgefährliches" Gedränge. Erstes Königspaar nach dem Krieg wurden Erich Wenderich und Käthe Michels. Ein großes Kompliment sprach der englische Kommandant dem Verein für die Gestaltung des Festes aus, nur das Tambourkorps war ihm ein Dorn im Auge gewesen. Es sei zu einheitlich, fast militärisch aufgetreten. Um die Tradition wieder aufleben zu lassen, wurden im November wieder ein Abschlußfest und in den ersten Monaten des nächsten Jahres auch wieder ein Karnevals- und ein Frühlingsfest gefeiert.